Es herrscht gerade der gesunde Menschenverstand

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Tobias-Mayer-Verein – Ein Vortrag hat sich der Farbenlehre von Tobias Mayer gewidmet.

Marbacher-Zeitung, 2.11.2018 „Es herrscht darin der gerade gesunde Menschenverstand“ schrieb Johann Wolfgang Goethe zur Farbenlehre von Tobias Mayer. Der „gerade gesunde Menschenverstand“ konnte beim Vortrag von Werner Kast zu Mayers Farbenlehre Triumphe feiern – so klar und eindeutig war die Darstellung der mathematischen Lösung der Farbmischung.

Dazu sollte man aber wissen, dass Goethe seinen Kommentar keineswegs positiv meinte. Mayers Farbenlehre war ihm zu „atomistisch“. Gerade das macht sie aber klar und deutlich sowie jederzeit nachvollziehbar.  So geht Mayer von den drei Grundfarben rot, blau und gelb aus und erhält durch die Mischung dieser drei einfachen Farben zunächst 33 aus zwei sowie 55 aus drei Farben zusammengesetzte Farben. Diese 91 Farben bezeichnet er als „vollkommene Farben“.

Die Überlegung, dass insgesamt drei Grundfarben ausreichen, um sämtliche Mischfarben zu definieren, war im 18. Jahrhundert keineswegs selbstverständlich. Andere „Farbmischer“ gingen von mehr und anderen Farben aus. Auch Mayer nahm in einer früheren Version fünf Farben an, indem er weiß und schwarz dazu zählte. In seinen späteren Überlegungen lässt er sie aber nicht als eigene Farben gelten. Durch Zumischen von weiß und schwarz zu den 91 vollkommenen Farben erhält er „blasse“ und „dunkle“ Farben und kommt auf insgesamt 819 wahrnehmbare Farben.

Die vollkommenen Farben stellt Mayer grafisch in einem Dreieck dar, dessen Kanten in zwölf Teile unterteilt sind. Die Zahl zwölf nahm Mayer an, weil sie zu gerade noch wahrnehmbaren Unterschieden führe, wie dies auch in der Musik der Fall sei. In den Ecken des Dreiecks sind die drei Grundfarben zu finden. Zwischen diesen Ecken liegen alle Mischfarben, auf der geraden Kante des Dreiecks jeweils Mischungen aus zwei Farben und innerhalb des Dreiecks Mischungen aus drei Farben. Die Mischungen werden nach ihren jeweiligen Anteilen der zwei oder drei Grundfarben berechnet und mit einer Formal versehen, die das Mischungsverhältnis angibt.

Im Farbdreieck erhält jede Farbe die Form eines Sechsecks – das wiederum griff Manfred Knappe auf, als er den Entwurf des neuen Tobias-Mayer-Museums zeichnete. Die Sechseck-Fenster sind im Obergeschoss des Gebäudes zu sehen und tragen zu der wunderbaren Atmosphäre im Inneren des Museums bei. Und auch in diesem Gebäude herrscht „der gerade gesunde Menschenverstand“ – was nicht zu seinem Nachteil gereicht.

Armin Hüttermann, Vorstand