Islamische Wissenschaft als Geburtshelfer

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Dr. Jürgen Hamel hat dem Tobias-Mayer-Verein für sein neues Museum ein großes Astrolabium überreicht. Solche Winkelmessgeräte dienten auch zur Orientierung am Sternenhimmel und wurden von islamischen Gelehrten weiterentwickelt. Foto: TMV

Tobias Mayer Verein Vortrag von Jürgen Hamel beleuchtet den Einfluss muslimischer Gelehrter auf die Astronomie im Abendland.

Marbach Die islamische Wissenschaft als Geburtshelfer der abendländischen Astronomie: Mit diesem Thema beschäftigte sich der zweite Vortrag der diesjährigen  Herbstvortragsreihe des Tobias Mayer Vereins. In einem sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag nahm Dr. Jürgen Hamel seine Zuhörer mit auf die Reise von den alten Griechen über den Islam bis hin zur abendländischen Astronomie. Von alters her beschäftigen sich die Menschen mit der Sternenkunde. Die alten Griechen, wie der Astronom Claudius Ptolemäus oder der Mathematiker Euklid, sind bis heute bekannt. Allerdings gingen viele wissenschaftliche Werke der alten Griechen mit dem Untergang des Römischen Reiches verloren. Gleichzeitig nahm das Christentum im 13. Jahrhundert eine wissenschaftsablehnende Entwicklung. In einer Bulle des Papstes Gregor IX. wurde die Physik verboten, bis diese geprüft und gereinigt worden wäre. Das ging sogar so weit, dass antike Schriften durch Bücherverbrennungen vernichtet worden sind. Im Gegensatz dazu entstand im 7. Jahrhundert eine neue Glaubensrichtung, die sich rasch ausbreitete und ihren Glauben mit einem großen Interesse am Naturwissen verband: der Islam. Der Islam breitete sich bis auf die iberische Halbinsel aus. Islamische Wissenschaftler entdeckten die alten wissenschaftlichen Schriften und ließen diese zunächst ins Syrische und später zumeist ins Arabische übersetzen. Die islamischen Gelehrten nutzten das Wissen für zahlreiche weitere Untersuchungen und für die Erstellung von Kalendern und Tafelwerken. Die Astronomie war für den Islam von besonderer Bedeutung, da die diese direkt in den Dienst der Religion gestellt werden konnte, zum Beispiel wegen der Festlegung des Monatsbeginns, der Gebetsstunden, der Gebetsrichtung gen Mekka oder der Fastenzeiten. Besonders auf der iberischen Halbinsel bildeten sich Zentren der Wissenschaft heraus, zum Beispiel in Sevilla und Toledo. Hier wurden jetzt die arabischen astronomischen Texte ins Lateinische übertragen und fanden von hier ihren Weg über die Pyrenäen nach Süd- und Mitteleuropa. Kenntnisse der islamischen Astronomie  lassen sich in vielen Werken der abendländischen Astronomie finden, zum Beispiel bei Hermann von Reichenau, Wilhelm von Hirsau oder Gerbert von Aurillac. Ein sehr sichtbares Zeugnis legt die astronomische Uhr in Stralsund ab. Oberhalb des Ziffernblattes finden sich zwei christliche und unterhalb zwei arabische Wissenschaftler. Das Fazit des Abends: „Ohne die arabische Astronomie wäre die Entwicklung der abendländischen Wissenschaft so nicht möglich gewesen.“ Gudrun Erb , TMV