{"id":3949,"date":"2019-11-19T20:30:28","date_gmt":"2019-11-19T19:30:28","guid":{"rendered":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/?p=3949"},"modified":"2020-01-23T22:03:07","modified_gmt":"2020-01-23T21:03:07","slug":"globen-sind-gefaehrlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/?p=3949","title":{"rendered":"\u201eGloben sind gef\u00e4hrlich\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Herbstvortr\u00e4ge im Tobias Mayer Museum<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Vortrag in unserer\ndiesj\u00e4hrigen Reihe widmete sich ganz der Globenproduktion in Deutschland von\n1800 \u2013 1950. Dr. Markus Heinz, stellvertretender Abteilungsleiter der Kartenabteilung\nder Staatsbibliothek zu Berlin, erwies sich als ausgesprochener Experte auf\ndiesem Gebiet. Langj\u00e4hrige Mitglieder des Vereins kannten Herrn Heinz bereits\nvon seinen&nbsp; Besuchen 2005 und 2012 in\nMarbach und er betonte, dass er wieder sehr gerne zu uns nach Marbach gekommen\nist.<\/p>\n\n\n\n<p>Den ersten Teil seines\nVortrages \u00fcberschrieb Herr Heinz mit: \u201eGloben sind gef\u00e4hrlich\u201c. Gef\u00e4hrlich?\nWarum denn das? Anfang des 18. Jahrhunderts wurden im Verlag Homann im\nWesentlichen Taschengloben hergestellt. Der Durchmesser dieser Globen betrug\nca. 7,5 cm. Die Kosmographische Gesellschaft wollte auch gro\u00dfe Globen\nherstellen, was sich in der Konstruktion als sehr schwer und in der Herstellung\nals sehr teuer erwies. Es ist n\u00e4mlich nicht so einfach aus einer Karte die Gr\u00f6\u00dfe\nder Elemente einer Kugel zu berechnen. Selbst Tobias Mayer war an diesem\nProblem bei der Herstellung seines Mondglobus gescheitert. Johann Georg Franz,\nder Sohn eines Mitinhabers des Homann-Verlages in N\u00fcrnberg (wo auch schon\nTobias Mayer t\u00e4tig war) setzte allen Ehrgeiz daran, gro\u00dfe Erdgloben mit einem\nDurchmesser von 48 cm zu produzieren. Allerdings verschuldete er sich bei\ndiesem Vorhaben hoffnungslos. Sein Vater musste seine Anteile am Homann-Verlag\nverkaufen, um die Schulden zu begleichen. Einige Jahre sp\u00e4ter erkrankte Johann\nGeorg Franz an einem Nervenleiden und verbrachte die letzten Jahre seines\nLebens in der Irrenanstalt. Ergo: ganz sch\u00f6n gef\u00e4hrlich diese Globen!<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings trat nach der\nHerstellung eines Globus schon das n\u00e4chste Problem auf: wie kann man diese\ngro\u00dfen und empfindlichen Teile einigerma\u00dfen kosteng\u00fcnstig zu den K\u00e4ufern\ntransportieren. Jetzt war die Stunde der Spielzeughersteller gekommen. Es\nwurden Bastels\u00e4tze f\u00fcr Globen aber auch Puzzelgloben hergestellt und diese\nkonnten dann problemlos in den Versand gehen. Es wurden aber auch ganz kleine\nGloben, sog. Puppenstubengloben mit einer Gesamtgr\u00f6\u00dfe (incl. Stehfu\u00df) von 7 cm\nhergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Idee, um das\nVersandproblem zu l\u00f6sen, war die Herstellung von pneumatischen Globen (z.B. mit\nSchweinsblasen) mit einem Durchmesser von bis zu 120 cm. Diese \u00c4ra dauerte\ngenau 4 Jahre und jedes Jahr war es ein anderer Enthusiast, der sich dieser Art\nder Globenherstellung widmete: 1830 Pocock, 1831 Celler, 1832 Grimm und 1834\nBenoit. Danach gab es keine weitere Versuche, da sich herausstellte, dass die\nKugeln por\u00f6s wurden und dann in sich zusammen fielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr interessant ist auch die\nGeschichte der Herstellung von Reliefgloben. August Zeune gr\u00fcndete 1806 in\nBerlin die erste Blindenschule und da er von Hause auch Geograph war, wollte er\nseinen Sch\u00fclern den Globus nicht vorenthalten. So entstand die Idee,\nReliefgloben herzustellen. Zur Unterst\u00fctzung der blinden Sch\u00fcler wurde in\nW\u00fcstengebieten Sand aufgetragen, die blaue Farbe f\u00fcr Eis sollte sich k\u00e4lter anf\u00fchlen\nals das Blau des Wassers. St\u00e4dte wurden durch rote Stofffetzen dargestellt.\nSechs dieser Globen von Karl Wilhelm Kummer sind erhalten und keiner gleicht\ndem Vorg\u00e4nger. Neue Entdeckungen wurden immer gleich eingearbeitet. Alle\nReliefgloben dieser Zeit waren handkoloriert und handbeschriftet. Die\nBeschriftung war insbesondere bei den Reliefgloben sehr aufwendig. Ernst\nSchotte, der die Produktion von Reliefgloben sehr erfolgreich fortf\u00fchrte, l\u00f6ste\ndieses Problem durch kleine gedruckte Zettelchen, die auf die Globen aufgeklebt\nwurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Globen wurden in allen\nGr\u00f6\u00dfen, Sprachen (bei Ernst Schotte in 14 Sprachen) und Gestellen (gerade,\nschr\u00e4g, schr\u00e4g mit Halbmeridian und schr\u00e4g mit wissenschaftlichem Gestell\nhergestellt, um 1900 ca. 400 verschiedene Modelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Bedeutung hatten die\nGloben f\u00fcr die Bildung. An ihnen konnte anschaulich sowohl die Erde als Kugel\nals auch das Meridiansystem dargestellt werden. Mit einem wissenschaftlichen\nGestell kann beispielsweise f\u00fcr jeden Ort der Erde und jeden Tag des Jahres die\nOrtszeit des Sonnenauf- und Untergangs berechnet werden. In der Erweiterung als\nTellurium wird die Bewegung der Erde und des Mondes um die Sonne erlebbar (ein\nTellurium haben wir auch im Tobias Mayer Museum).<\/p>\n\n\n\n<p>Globen wurden aber auch als\nreine Schmuckelemente verwendet. Im 19. Jahrhundert zierten Schmuckgloben mit\naufw\u00e4ndigen F\u00fc\u00dfen, z.B. in Gestalt des Atlas, b\u00fcrgerliche Wohnzimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erste Weltkrieg bringt\ndie bisherigen Verlage an den Rand ihrer Existenz oder in den Ruin. Es\nentstehen insbesondere zwei neue nennenswerte Verlage: Kolumbus in Berlin und\nR\u00e4th in Leipzig. Allerdings verl\u00e4sst die Globenproduktion jetzt zunehmend den\nwissenschaftlichen Bereich. Globen werden immer mehr zu einem Wohnaccessoire.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wo kann man Globen\n(insbes. Mondgloben) in Marbach betrachten? Nat\u00fcrlich im Tobias Mayer Museum,\njeden Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Gudrun Erb, Tobias-Mayer-Verein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbstvortr\u00e4ge im Tobias Mayer Museum Der zweite Vortrag in unserer diesj\u00e4hrigen Reihe widmete sich ganz der Globenproduktion in Deutschland von 1800 \u2013 1950. 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