{"id":2613,"date":"2018-12-24T17:12:41","date_gmt":"2018-12-24T16:12:41","guid":{"rendered":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/?p=2613"},"modified":"2019-01-16T22:25:12","modified_gmt":"2019-01-16T21:25:12","slug":"auftritt-fuer-einen-aufsteiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/?p=2613","title":{"rendered":"Auftritt f\u00fcr einen Aufsteiger"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Tobias Mayer, Waisenkind aus Marbach, war ein Pionier der Kartografie \u2013 sein Werk und Leben zeigt ein neues Museum<\/p>\n\n\n\n<p>Von Wolfgang Albers  MZ-Wochenende vom 22.12.2019<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p>Der markante Museumsneubau steht direkt neben dem Geburtshaus von TobiasMayer.  Foto: Albers<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das ist mal ein architektonisches Ausrufezeichen. Mitten in die Marbacher Fachwerk Altstadt steht ein turmartiger Flachdach Kubus aus hellen Klinkersteinen, mit Fenstern, die mehr horizontale und vertikale Schlitze sind, die obere Fassade ist von einem Sechseckmuster durchbrochen. Distanzlos dr\u00e4ngt sich das Werk des Architekten Martin Webler neben ein schnuckeliges Fachwerkh\u00e4uschen. Aber vielleicht ist so ein markanter Auftritt in der Schiller Stadt die einzige Chance, auf weitere Genies zu verweisen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie auf Tobias Mayer. Tobias wer? Der Mann, der in dem kleinen Fachwerkh\u00e4uschen im Jahr 1723 geboren wurde, ist erst in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts durch einen schottischen Naturwissenschaftler wieder ins Bewusstsein gehoben worden: Tobias Mayer geh\u00f6rt zu den Pionieren der exakten Orientierung. Genaue Karten, die f\u00fcr uns so selbstverst\u00e4ndlich sind, beruhen auf seiner seiner Arbeit. Wie wenig zuverl\u00e4ssig Karten noch im 18. Jahrhundert waren, hat Tobias Mayer mit einer Deutschlandkarte aus dem Jahr 1750 publik gemacht. Da sieht man K\u00f6ln, Berlin, Frankfurt, Hamburg, all die St\u00e4dte gleich dreifach an verschiedenen Stellen eingezeichnet. Was aussieht wie das Werk eines Betrunkenen, war tats\u00e4chlich der Stand der Wissenschaft: Weil die Kartografen die L\u00e4ngengrade nicht bestimmen konnten (und damit die genaue West\/Ost Lage), lagen je nach Karte die Orte um 100 Kilometer auseinander. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem, an dem die studiertesten Naturwissenschaftler der Zeit sich die Z\u00e4hne ausbissen \u2013 und dessen L\u00f6sung sicher nicht von einem armen Waisenkind erwartet wurde, wie es Tobias Mayer war. Und das ist ebenso spannend am Museum: Es f\u00fchrt nicht nur in die Welt der Karten, sondern zu einer Aufsteiger Biografie par excellence. Die Familie Mayer zog von Marbach nach Esslingen. Der junge Tobias konnte schon vor der Schulzeit lesen, schreiben und\nexzellent malen. \u201eMeine Mutter wurde wurde von mir um Tinte, Feder und Papier mehr\ngeplagt als um Brot\u201c, hat er in seiner Autobiografie erz\u00e4hlt. Und weil in der\nSchule die Mathematik nicht unterrichtet wurde, eignete er sich dieses Fach so\nintensiv selbst an, dass er mit 22 Jahren ein mathematisches Lehrbuch\nver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Museum hat eines der wenigen Exemplare, die im Antiquariatshandel f\u00fcr Tausende von Euro gehandelt werden. Und es hat auch s\u00e4mtliche 40 Karten (ausgestellt sind meist nur Reproduktionen), die Tobias Mayer f\u00fcr den damals f\u00fchrenden Kartenverlag Homann in N\u00fcrnberg zeichnete. Die Informationen musste er sich ja aus unterschiedlichsten Quellen beschaffen \u2013 und deren Zuverl\u00e4ssigkeit hat er auf einer Karte S\u00fcdostasiens festgehalten: Eine Insel namens Ouro (das deutet auf Gold hin) zeichnet er an drei Stellen ein \u2013 und f\u00fcgt an, dass er sowieso nicht an die Existenz dieser Insel\nglaubt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Mayers\nMondkarte war lange Zeit un\u00fcbertroffen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch fantasievoller war eine Karte der Mondoberfl\u00e4che. Eineinhalb Jahre setzte er sich ans Fernrohr \u2013 dann hatte er eine Mondkarte gezeichnet, die f\u00fcr lange Zeit un\u00fcbertroffen war. Und der Mond half ihm auch, das Problem mit den L\u00e4ngengraden zu l\u00f6sen \u2013 durch Messungen seines Abstandes. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit konnte sich Tobias Mayer, der ohne Studium ab 1751 in G\u00f6ttingen Mathematikprofessor war und Direktor der Sternwarte, um einen Preis bewerben, den das britische Parlament ausgesetzt hatte. Er bekam tats\u00e4chlich als Zweiter eine Summe, die heute etwa einer Million Euro entspricht. Nur: Da war er schon mit 39 Jahren, als die Franzosen G\u00f6ttingen besetzt hatten, an Typhus gestorben. Um dieses spannende Leben k\u00fcmmert sich der Tobias-Mayer-Verein, der es\nnicht nur geschafft hat, das Geburtshaus zu erwerben, sondern auch \u2013 mit Sponsoren\nund Zusch\u00fcssen nat\u00fcrlich \u2013, den Neubau neben das Geburtshaus zu stellen. Und\nweil sein Vorsitzender Armin H\u00fcttermann an der Ludwigsburger Hochschule Lehrer\nausgebildet hat, h\u00e4lt das Museum auch gut die Balance von Information,\nVerst\u00e4ndlichkeit und Pr\u00e4sentation. Und es hat einen wundersch\u00f6nen obersten\nStock mit Prachtaussicht, mit Lesesesseln und der Bibliothek des Vereins \u2013 zum\nSchm\u00f6kern f\u00fcr jeden, der Lust hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobias Mayer, Waisenkind aus Marbach, war ein Pionier der Kartografie \u2013 sein Werk und Leben zeigt ein neues Museum Von Wolfgang Albers MZ-Wochenende vom 22.12.2019 Der markante Museumsneubau steht direkt &hellip; <a href=\"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/?p=2613\" class=\"more-link\"><span>Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Auftritt f\u00fcr einen Aufsteiger<\/span><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2614,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1],"tags":[],"class_list":["post-2613","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienberichte","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2613"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2987,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions\/2987"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tobias-mayer-museum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}